Minimalschnitt: auch in der Deutschschweiz möglich?


In den frühen 1970er Jahre fragte man sich in Australien aufgrund der ungünstigen wirtschaftlichen Situation:
-Wie kann ein Teil des Weinbaus extensiviert werden?
-Wie können Arbeitsspitzen gebrochen werden?
-Wie können Betriebe möglichst auf Fremdarbeitskräfte verzichten?

So fand dort bezüglich des Anbaus ein Umdenken statt. Man begann bestehende Anlagen auf so genannte Minimalschnittsysteme umzustellen, in denen der Winterschnitt im herkömmlichen Sinn nur noch in einigen Fällen mit maschinellen Systemen durchgeführt wurde oder gänzlich entfiel.

Verbreitung in der Praxis
Mittlerweile werden ein Grossteil der australischen und mehr als 50% der Weinberge in den Oststaaten der USA minimal geschnitten.
Es ist möglich, den Arbeitsaufwand auf 50 Stunden pro ha und Jahr (Normalanlagen: 450-700 Stunden pro ha und Jahr) zu senken, da nahezu alle Handarbeitsstunden entfallen. Es können daher Produktionskosten von unter einem Franken pro kg Trauben erreicht werden.
Ob sich diese Erziehungsform im deutschsprachigen Raum für die Produktion von Basic-Weinen ebenfalls bewährt ist nun Gegenstand der Versuche.



Was ist anders?
Bei der ungeschnittenen Rebe treiben alle Augen aus wie bei den geschnittenen Reben. Dadurch hat die ungeschnittene Rebe bis 10x mehr Sommertriebe, was die Wuchskraft der einzelnen Triebe massiv reduziert. Als Resultat produziert die ungeschnittene Rebe eine grosse Anzahl kurzer Triebe mit gesamthaft sehr vielen aber kleinen Trauben. Die Trauben sind nicht nur klein sondern auch kleinbeerig und locker was die Fäulnissanfälligkeit reduziert und das Aromapotenzial leicht erhöhen kann.

Keine Handlese
Da die Trauben in der Peripherie der heckenähnlichen Laubwand positioniert sind eben sehr viele kleine Trauben produziert werden, wäre eine Handlese sehr kosten- und zeitaufwändig. Es muss also die Möglichkeit gegeben sein mit einem Traubenvollernter zu mechanisieren.